Offener Kanal Schleswig-Holstein

Schriftzug

Der Offene Kanal und seine Sendungen (März 2007)

1   Ausgangslage
2   Ein Sender auf zehn Säulen
3   Ausblick

1 Ausgangslage

Der Offene Kanal vom Dezember 1991 (Sendestart OK Kiel) ist heute nur bei genauem Hinsehen wieder zu erkennen. Die konzeptionelle Grundlage des Offenen Kanals hat zwar Bestand - Rundfunkarbeit mit Bürgern wird als pädagogische Herausforderung verstanden, die ohne sehbare Sendungen aber keinen Sinn ergibt. Dabei ist die pädagogische Heran­gehens­weise differenzierter geworden und hat sich Erkenntnisse der Jugend- und der Bürgerarbeit zu eigen gemacht. Insbesondere aber sind die Sendungen des Offenen Kanals deutlich anders als vor 16 Jahren.

Die Veränderung des OKs und seiner Sendungen liegt an dem konstruktiven Um­gang mit den Herausforderungen, denen sich der OK in den vergangenen Jahren gestellt hat:
In der konstruktiven Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen hat sich der OK in den zurück liegenden Jahren zu einer akzeptierten und viel genutzten, lebendigen Einrichtung entwickelt.

Dem primären gesetzlichen Auftrag entsprechend stehen die nichtkommerzielle Gestaltung, Produktion und Verbreitung von werbefreien Sendebeiträgen in Hörfunk und Fernsehen durch Personen und Gruppen, die selbst nicht Rundfunkveranstalter sind (Nutzer), im Zentrum der Aktivitäten ("Sendeselbersender"). Über den Offenen Kanal hat dieser Personenkreis diskriminierungsfrei und chancengleich einen unentgeltlichen Zugang zum Rundfunk und kann von der grundgesetzlich verbürgten Rundfunkfreiheit auch aktiv Gebrauch machen.

Daneben ist der Offene Kanal eine bedeutende Institution für die Vermittlung von Medien­kompetenz in Schleswig-Holstein.

Alle Aktivitäten im Offenen Kanal sind der in einem weiten Sinn zu verstehenden politischen Bildung zuzurechnen. Wer Sendebeiträge gestaltet und produziert, setzt sich mit gesellschaftlichen Verhältnissen und Bedingungen auseinander.

Die folgenden Ausführungen beschreiben die Sendeaktivitäten des Offenen Kanals.

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2 Ein Sender auf zehn Säulen

Die Weiterentwicklung des Offenen Kanals zeigt sich vor allem bei einer strukturierenden Betrachtung, die beim Inhalt der Sendebeiträge und den unterschiedlichen Nutzungsarten ansetzt. Es lassen sich zumindest – ungewichtet und teilweise überschneidend - zehn Funktionalitäten - "Säulen" - ausmachen. (Die "Perspektiven" sind jeweil kursiv angefügt.) Dabei sind alle diese Säulen auf der Grundlage des OK-Gesetzes organisiert, d.h., einzelne Bürgerinnen und Bürger und nicht der OK sind für die Sendungen verantwortlich.


Bürgersender
Bürgerinnen und Bürger nutzen den Offenen Kanal, um Beiträge nach eigenen Vor­stellungen zu produzieren und zu verbreiten ("Lokaler Bürgerfunk"). Die Themenpalette ist unbegrenzt (außer durch die üblichen gesetzlichen Regelungen). Bürgersendungen finden auf festen und offenen Sendeplätzen statt.


Lokalsender

Im OK werden die Berichterstattung der Presse sowie des professionellen Rundfunks (Hörfunk und Fernsehen) im lokal-regionalen Bereich ergänzt. Auf diese Weise trägt der OK unmittelbar zur Meinungsvielfalt bei. Die ausgestrahlten Beiträge beschäftigen sich mit Themen aus dem aktuellen Geschehen in Politik, Wirtschaft und Kultur des Sendegebiets. Eine besondere Rolle spielen die Live-Übertragungen von Landtag, Ratsversammlungen und Kreistag.
Ereignissender

Durch Mitschnitte von politischen, kulturellen und informierenden Veranstaltungen im Sendegebiet und die ungekürzte Ausstrahlung der Produktionen werden diese Veranstaltungen medial verstärkt und spiegeln zugleich das Leben im Sendegebiet wider.
Servicesender
Der OK gibt Informationen anderer Stellen und Einrichtungen neutral weiter, etwa eine Auswahl der der Bundesagentur für Arbeit vorliegenden Stellenangebote, Hinweise auf Veranstaltungen oder auf Medienkompetenzaktivitäten.
Die Zusammenarbeit mit bürgernahen Einrichtungen im Sendebebiet wird ständig und in Zukunft noch intensiver erweitert und vertieft. Die Ausstrahlung von Informationen zu Öffnungszeiten, Servicediensten und Angeboten wird in den Infotafeln sowie im neu gestarteten Videotext weiter ausgebaut.


Ausbildungssender
Der OK dient der beruflichen Ausbildung und Qualifizierung, etwa in der Kooperation mit Berufsschulen, Hochschulen und Fachhochschulen oder verschiedensten Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung. Im OK können zukünftige "Profis" Erfahrungen sammeln und Konzepte testen, ohne Werbekunden zu vergraulen.
Seminare und Kursangebote von Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen, die in den Bereich der OK-Kompetenzen fallen (Pädagogik, Technik, Journalismus), sollen noch stärker in Zusammenarbeit, häufig auch in den Räumlichkeiten des OK, stattfinden.


Schulsender

Der OK unterstützt, meist projekthaft, die Wissensvermittlung in der Schule, insbesondere in dem Bereich der Medienkompetenzvermittlung. Da Medienerziehung immer Themen braucht, lassen sich mit der vom OK praktizierten Methode der "aktiven Medienarbeit" fast alle schulischen Themen motivierend und effektiv bearbeiten. Hinzu kommen besondere Projekte für Schulen, etwa die Schulfernsehwoche SchOKK, die Lehrkraftausbildungen oder die Ausbildungen von Schülerinnen und Schülern zu "SchülerMedienLotsen".
Werkstattsender
Der OK trägt dazu bei, dass bei medienkompetenzfördernden Aus- und Fortbildungs­angeboten des Offenen Kanals die Theorie durch Praxis vertieft werden kann. Diese Kenntnisse werden durch Aktivitäten in den Räumen des Offenen Kanals, aber auch durch solche vor Ort, z.B. beim rollenden Mediencamp "Fischauge", vermittelt.
Minderheitensender
Nicht erst seit dem Inkrafttreten des OK-Gesetzes, das dem OKSH die Förderung von Minderheitensprachen besonders anempfiehlt, hat sich der Offene Kanal intensiv um Minderheitensprachen gekümmert. Eine besondere Rolle spielen dabei die OKs Flensburg (für die dänische Sprache) und Westküste (für die friesische Sprache).Nach einer Reihe von unterschiedlichen Angeboten ist deutlich geworden,
Campussender
Einerseits zu Schulungszwecken, insbesondere in den Medienfachbereichen, andererseits als eine Möglichkeit, den eigenen Campus der Öffentlichkeit zu präsentieren, haben sich in Kiel und Lübeck in TV und Radio Sendeaktivitäten entwickelt, bei denen Studierende von ihrem Campus berichten. Diese Aktivitäten finden innerhalb des Curriculums oder in der Freizeit statt. Maßnahmen, die mit dem Curriculum intensiv verknüpft sind und deshalb auch eine hauptamtliche Anbindung haben, sind dabei besonders nachhaltig.
Experimentalsender
Im Offenen Kanal sind in TV und Radio alle möglichen Experimente gestalterischer, journalistischer und technischer Art denkbar. Die Chancen, die der Offene Kanal als technische und gestalterische Plattform für experimentellen Rundfunk bietet, sind bei weitem noch nicht ausgereizt. An der Vielfalt dieser Funktionalitäten, die alle die Rundfunkoberfläche konstruktiv reflektieren, zeigt sich, wie unverzichtbar die konventionelle Sendemöglichkeit für den Betrieb des Offenen Kanals ist.

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3 Ausblick

Obwohl die Sendepraxis des Offenen Kanals gezeigt hat, dass eine konzeptionelle Ausweitung des Offenen Kanals zum "10-Säulen-Sender" auf der seit 1989 inhaltlich fast unveränderten gesetzlichen Grundlage möglich war, wird aus den spezifischen Perspektiven zu den einzelnen "Säulen" deutlich, dass sich die Diskussion über die konzeptionelle Zukunft des Offenen Kanals und seiner Sendungen an fünf Fragen orientieren sollte:

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