Offener Kanal Schleswig-Holstein

Schriftzug

Aus - und Fortbildung im Offenen Kanal (September 2009)

1       Ausgangslage
1.1    Warum soll gerade der Offene Kanal sich bei der
         Medienausbildung engagieren?
1.2     Darf der Offene Kanal sich stärker bei der
         Medienausbildung engagieren und darf er dies mit
         seinem Rundfunkgebührenanteil finanzieren?
1.3     Die Nachfrage nach Medienausbildung ist groß
1.4     Bereits jetzt findet Medienausbildung im Offenen
         Kanal statt
2        Mögliche Struktur von Medienausbildung
2.1     Kompetenzfelder
2.2     Keine Medienausbildung ohne Kooperation
3        Methoden
3.1     OK-Spezialität: Sendung
3.2     Aktive Medienarbeit
3.3     Theorie-Praxis Wechsel:"kleine Intervalle"
3.4     Die Lernenden da abholen, wo sie sind
3.5     Technik darf Inhalte nicht prägen
3.6     Medienpädagogik braucht externe Inhalte
3.7     Die ewigen Themen
4        Was ist zu tun?
4.1     Konzepte entwickeln
4.2     Kommunikation intensivieren
4.3     Campus Funk vervollständigen
4.4     Angebot qualifizieren

1 Ausgangslage

Eine der "Säulen", auf denen der Offene Kanal steht, ist seit langem die Säule "Ausbildungs­sender". Sie steht für die umfangreichen Aktivitäten des OKSH im Bereich der Aus- und Fortbildung im Medien­bereich (Medienausbildung). Wegen der großen Nachfrage soll die Medien­ausbildung im Offenen Kanal ausgebaut werden ohne dass dieser seine Aufgabe als Bürgersender oder als Medienkompetenzvermittler gegenüber seinen bisherigen Zielgruppen vernachlässigen will.

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1.1 Warum soll gerade der Offene Kanal sich bei der Medienausbildung engagieren?

Offene Kanäle sind seit vielen Jahren in Deutschland das Rückgrat der praxisorientierten Medienkompetenzvermittlung und haben sich auf diesem Gebiet bewährt. Das gilt auch für die nichtkommerziellen Ausbildungskanäle in Deutschland, so auch für den Hamburgischen Bürger- und Ausbildungskanal. Er komplettiert das sonstige medienorientierte Berufs­aus­bildungsangebot in der Hansestadt. In Schleswig-Holstein fehlt bislang ein entsprechendes Angebot, obwohl auch hier die Nachfrage nach Aus- und Fortbildung für Berufe im Bereich der audiovisuellen elektronischen Medien ungebrochen ist. Der Offene Kanal, der
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1.2 Darf der Offene Kanal sich stärker bei der Medienausbildung engagieren und darf er dies mit seinem Rundfunkgebührenanteil finanzieren?

Beide Fragen sind zu bejahen. Es bestehen im Ergebnis keine rechtlichen Bedenken gegen Medienausbildungsaktivitäten und deren Finanzierung aus den Rundfunkgebührenmitteln des OKSH:
Insgesamt ist Medienausbildung im Offenen Kanal möglich, Änderungen im OK-Gesetz oder der OK-Satzung sind nicht notwendig.

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1.3 Die Nachfrage nach Medienausbildung ist groß

Eine Mediengesellschaft produziert grundsätzlich eine Nachfrage nach beruflich nutzbarer Medien­kompetenz. Diese Nachfrage gibt es sowohl bei denen, die mit ihrer ganzen Arbeitskraft Medien produzieren oder den Umgang mit Medien vermitteln wollen ("professionell"), als auch bei denen, die in einem eigentlich medienfernen Beruf doch Medienkenntnisse oder Medienvermittlungskenntnisse benötigen ("beiläufig").

Viele, die Medien konsumieren, würden mit der Produktion von Medien gern auch ihr Einkommen bestreiten ("professionelle Medienproduzenten"). Für diese Gruppe gibt es wenig verlässliche Zahlen über die Ausbildungswünsche von Schulab­gängern, doch die große Nachfrage für die Ebenen "Ausbildung" (Mediengestalter Bild/ Ton), "Studium" und "Studienabsolventen" ist bekannt.

Anders als vor fünf bis zehn Jahren sind inzwischen in vielen Studiengängen Medienmodule integriert, in denen Studierende aller Fächer praktisches Medienwissen erwerben ("beiläufige Medienproduzenten"). Oft finden derartige Module im Offenen Kanal oder in enger Zusammenarbeit mit ihm statt.

Bei der Ausbildung von professionellen Medienpädagogen überwiegt oft das theoretische Wissen, für die Medienpraxis fehlen Grundkenntnisse und Erfahrung. Auch Pädagogen in Kindergarten, Kita, Schule und ausserschulischer Bildung ("beiläufige Medien­pädagogen") benötigen Mediengrundwissen und Medienvermittlungswissen für ihre speziellen Bedürfnisse.

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1.4 Bereits jetzt findet Medienausbildung im Offenen Kanal statt

Der Offene Kanal Schleswig-Holstein ist selbst als Träger von Ausbildung aktiv. So gibt es

Diese Angebote reichen jedoch, wie die Nachfrage verdeutlicht, nicht aus.

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2 Mögliche Struktur von Medienausbildung

2.1 Kompetenzfelder

Zielgruppe

Kompetenzen/ Module

professionelle Medienproduzenten

angehende Profis für elektronische Medien

Für z.B. Nachrichtensprecher, Videocutterin, Radioreporter oder Kamerafrau




Profis anderer Medien

Für z.B. Cutter, damit diese Multimedia-DVD's erstellen können oder Print-Journalisten, die Videos für die online-Ausgaben ihrer Zeitung produzieren
Medien-Grundwissen in ausgewählten Bereichen

Ergänzungsmodule, die nur im Offenen Kanal möglich sind wie z.B. Licht, Ton und Kamera im Studio; Senden; Experimente mit der TV- oder Radiooberfläche.

Fortbildungsmodule


medienpraktische und mediengestalterische Module
beiläufige Medienproduzenten

Andere Berufe, die eine grundsätzliche Beherrschung der Medienproduktion erfordern.

Für z.B. Historiker, die Zeitzeugen­interviews aufnehmen, Biologen, die Fliegen filmen oder Informatiker, die Medienprodukte online stellen.
Medien-Grundwissen in definiertem Umfang

medienpraktische
Module, die nur im Offenen Kanal möglich sind wie z.B. Licht, Ton und Kamera im Studio; Senden.

mediengestalterische
Module (von der Idee bis zum Beitrag)
professionelle Medienpädagogen

Dipl.-(Medien)-Pädagogen, Sozial­pädagogen und Erzieher, die haupt­beruflich im medienpädagogischen Arbeitsfeld tätig sind.

Für z.B. Referenten von Bürger- und Ausbildungsendern, Mitarbeiter von
pädagogischen Instituten (Uni/ FH/ Volkshochschule), Lehrer an allgemeinbildenden Schulen, die "Medienbeauftragte" sind etc.
Medienpraxis und ausgewählte medienpädagogische Vertiefung
  • medienpraktische Module, die nur im Offenen Kanal möglich sind wie z.B. Licht, Ton und Kamera im Studio; Senden.
  • Erprobung "aktive Medienarbeit"
  • präventiver Jugendmedienschutz
  • Gestaltung des Handlungsfeldes Multiplikatorenfortbildung
  • Konzepterstellung, Durchführung und Evaluation von medienpäd. Projekten
beiläufige Medienpädagogen

alle, die beruflich als Wissensvermittler tätig sind und dabei auch "private" Medienkompetenz vermitteln.

Für z.B. Erzieherinnen und Lehrkräfte, Sozialpädagogen und Erwachsenenbildner
Medien- und medienpädagogisches Grundwissen
  • medienpraktische und mediengestalterische Module
  • Einführung in die Medienpädagogik und deren Bedeutung für die Praxis
  • Beispiele für medienpädagogisches Handeln
  • Evaluation eigener Projekte


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2.2 Keine Medienausbildung ohne Kooperation

Der Offene Kanal kann natürlich keine vollständigen Ausbildungsabschnitte von Hoch­schulen, Fachschulen oder beruflichen Schulen anbieten oder gar "Medienlehrkräfte" ausbilden - das ist eindeutig eine staatliche Aufgabe. Gleichwohl kann der OKSH seine Hilfe bei der Durchführung verschiedener Module anbieten. Bei diesen Kooperationen werden die zu verabredenden Module

Dies bedeutet auch, dass die Kosten für die Durchführung von Ausbildungsmodulen in der Regel vom originären Ausbildungsträger getragen werden. Dem Offenen Kanal obliegt es dabei, auf seine Kosten für die Durchführung von Medienausbildung günstige und angemessene Rahmenbedingungn zu schaffen.

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3 Methoden

Auch beruflich orientierte Medienausbildung bedient sich der bewährten und effektiven Methoden der Medienpädagogik mit den OK-eigenen Spezifika.

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3.1 OK-Spezialtiät: Sendung

Medienaus- und Fortbildung im Offenen Kanal unterscheidet sich an einem wichtigen Punkt von entsprechenden Aktivitäten außerhalb: Im Offenen Kanal wird gesendet. Dies führt in der Praxis zu besseren Aus- und Fortbildungserfolgen:
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3.2 Aktive Medienarbeit

Es gibt viele Wege, Verständnis über Medien zu erlangen. Im Offenen Kanal gilt das Prinzip der aktiven Medienarbeit: Wer Medien selbst macht ("Partizipations­kompetenz"), nimmt Medien auch anders wahr ("Rezeptionskompetenz") und versteht Medien besser ("Sach­kompetenz"). Alles zusammen bezeichnet man als "Medienkompetenz". In der Praxis hat sich dieser vermeintliche Umweg - über die Partizipationskompetenz die Sach- und Rezeptionskompetenz zu erschließen - als der Weg erwiesen, der am meisten Spaß macht, damit am besten motiviert und die höchste Lerneffektivität mit sich bringt.

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3.3 Theorie-Praxis Wechsel: "kleine Intervalle"

Zur Vermittlung von technischen Vorgängen wird am besten in einem kurzschrittigen Theorie-Praxis-Wechsel gearbeitet. Auf einen kurzen theoretischen Impuls erfolgt die Umsetzung der neuen Informationen an der Technik, mit der Software. Daraufhin erfolgt wiederum ein Impuls, der auf das frisch Gelernte aufbaut, mit erneuter Erprobung. Dieser schnelle Methodenwechsel muss gut vorbereitet sein, damit die Lernschritte sinnvoll aufeinander aufbauen.

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3.4 Die Lernenden da abholen, wo sie sind

Das Umfeld der Lernenden, deren Interessen und Bedürfnisse, deren Herkunft, deren Vor­wissen, deren Medienerfahrungen - alles dies ist notwendig zu wissen, bevor Medien­lernen einsetzt. Diese "Anamnese" steht am Anfang eines jeden Medienlern­prozesses und wird deshalb sinnvoller Weise mit ersten Mediennutzungen verbunden. Letztlich sollen die Medien den Lernenden dienen und nicht umgekehrt.

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3.5 Technik darf Inhalte nicht prägen

Obwohl Medienpädagogik Lernprozesse rund um Medien organisieren will und damit naturgemäß ein intensiver Technikeinsatz verbunden ist, darf doch die optische Dominanz der Technik nicht darüber hinweg täuschen, dass Technik letztlich nur ein Transportmittel für Inhalte ist. Nicht alles, was technisch möglich ist, macht inhaltlich Sinn. Insbesondere viele Softwarelösungen gehen weit über die Anforderungen auch fort­geschrittener Anwender hinaus und verlangen eine gestalterische Bescheidenheit, die es zu üben gilt.

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3.6 Medienpädagogik braucht externe Inhalte

Genau wie Medien Inhalte brauchen, um überhaupt wahrgenommen zu werden, um überhaupt "gefüllt" ihre digitalen Bahnen ziehen zu können, braucht jede medien­pädagogigsche Aktivität Inhalte, um überhaupt durchgeführt werden zu können. Da bietet es sich an, entweder bei - beiläufigen Befassungen - ohnehin anstehende Inhalte zu erarbeiten oder aber - bei medienzentrierten Aktivitäten - theoretische Medien­themen (z.B. Medienwirkung) als Inhalt für medienpädagogische Prozesse zu wählen.

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3.7 Die ewigen Themen

Mediendidaktik, also die Befassung mit der Vermittlung von Medienkompetenz, muss - will sie aktuell bleiben - das Bleibende im Auge behalten.
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4 Was ist zu tun?

4.1 Konzepte entwickeln

Vor organisatorischen oder technischen Veränderungen ist die Entwicklung von Konzepten für die verschiedenen Ausbildungsbereiche erforderlich.
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4.2 Kommunikation intensivieren

Einmal entwickelte und organisierte Ausbildungsangebote müssen den kooperierenden Einrichtungen und deren Ausbildungsverantwortlichen kommuniziert werden.
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4.3 Campus Funk vervollständigen

Für TV und Radio sind die Bemühungen zu verstärken, Campus Funk einzurichten.
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4.4 Angebot qualifizieren

Um den gehobenen Ausbildungsanforderungen von Kooperationsveranstaltungen mit Hoch­schulen gerecht zu werden, muss das Ausbildungsangebot in einigen Bereichen auf ein personell und technisch höheres Niveau gebracht werden.
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