Offener Kanal Schleswig-Holstein

Schriftzug

Die Zukunft des Offenen Kanals (März 2004)

1   Standorte
2   Senden, Medienkompetenz und politische Bildung
3   Multifunktionalität
4   Entwicklungsschritte
5   Zwischenergebnis
6   Weiterentwicklung
7   Entwicklungsrahmen
8   Veränderungsbedarf

1 Standorte

Zu den gesetzlichen Aufgaben der ULR gehört seit 1989 der Offene Kanal. Dem entsprechend unterhält und betreibt die ULR folgende Offenen Kanäle – Startjahr:

Seit der erste Offene Kanal in Schleswig-Holstein in Betrieb gegangen ist, hat sich die audiovisuelle Medienlandschaft durch ein Mehr an Übertragungswegen und Programmen und durch das Internet quantitativ und qualitativ stark verändert. Angesichts der voranschreitenden Digitalisierung der Übertragungswege wird die Zahl der Fernseh- und Hörfunkprogramme weiter zunehmen. Leistungssteigerungen beim Internet führen ebenfalls zu einem weiteren Anwachsen des audiovisuellen Medienangebots. Deshalb, insbesondere aber wegen der teilweise problematischen Inhalte des Angebots, ist in den letzten Jahren der Ruf nach einer Förderung der Medienkompetenz von Zuschauern und Nutzern laut geworden. Dies veranlasste den Gesetzgeber in Schleswig-Holstein, der ULR 1999 die Förderung rundfunkorientierter Medienkompetenz als neue Aufgabe zu übertragen.

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2 Senden, Medienkompetenz und politische Bildung

Der Offenen Kanal der ULR hat sich der Entwicklung der Medienlandschaft und den Anforderungen des Gesetzgebers gestellt und sich in den zurück liegenden Jahren zu einer allseits akzeptierten, viel genutzten lebendigen multifunktionalen Einrichtung entwickelt:

- Allein schon die Gestaltung und Produktion von Sendebeiträgen fördert die Medienkompetenz des Nutzers ("learning by doing").

- Der Offene Kanal unterlegt und begleitet die publizistischen Aktivitäten mit einem umfassenden Angebot für die Aus- und Fortbildung im audiovisuellen Bereich und insbesondere für die Gestaltung und Produktion von Sendebeiträgen.

- Die Aus- und Weiterbildungsangebote richten sich zunehmend an Personen, Gruppen und Institutionen, die die in den Seminaren und Kursen erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten anschließend als Multiplikatoren, etwa als Lehrkräfte, weiter vermitteln, teilweise in Zusammenarbeit mit dem Offenen Kanal. Da die Multiplikatoren ihre Wirkungsstätte oft außerhalb der Sendegebiete des Offenen Kanals haben und in den verschiedensten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens tätig sind, wirkt der Offenen Kanal auf diese Weise auch in die Tiefe von Raum und Gesellschaft hinein.

- Schließlich ist der Offene Kanal auch bei der professionellen Ausbildung im audiovisuellen Bereich engagiert.

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3 Multifunktionalität

Die Multifunktionalität des Offenen Kanals zeigt sich vor allem bei einer strukturierenden Betrachtung, die beim Inhalt der Sendebeiträge und den unterschiedlichen Nutzerkreisen ansetzt. Es lassen sich zumindest – ungewichtet und teilweise überschneidend - acht Funktionalitäten ausmachen: Er ist

An diesen Funktionalitäten zeigt sich, wie unverzichtbar die Sendemöglichkeit für die Effektivität des Offenen Kanals ist.

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4 Entwicklungsschritte

Seine gute Performance hat der Offene Kanal Schleswig-Holstein mit seiner kompetenten und engagierten Leitung und Mitarbeiterschaft im Wesentlichen durch folgende operative Maßnahmen und Entwicklungsschritte in der Vergangenheit erreicht. Dazu sind die eingesetzten Haushaltsmittel in Bezug zu setzen. Dazu ergibt ein kurzer gebündelter Überblick:

4.1 Maßnahmen und Entwicklungsschritte

- Erweiterung der Ausrüstung in den Computer- und Internetbereich hinein,

- kontinuierliche Modernisierung der Ausrüstung.

- Herstellung von Mobilität (Anschaffung von Fahrzeugen, Rundfunkaufzeichnungs- und –übertragungseinheiten, Bühne, Studioausrüstungs-gegenstände),

- Zulassung von festen Sendeplätzen für bestimmte Themen oder Themenfelder, in der Regel verbunden mit einer Redaktionsgruppe, allerdings unter gleichzeitiger Aufrechterhaltung des sog. Schlangenprinzips ("first come, first serve").

- Ergreifen von Initiativen für die Einrichtung von Redaktionsgruppen,

- stärkere Einbindung der Mitarbeiterschaft in die Gestaltung und Produktion von Sendebeiträgen,

- Erweiterung des einzelnen Offenen Kanals in die Fläche (Errichtung von Außenstudios, Schaffung von technischen Anschlussmöglichkeiten, etwa in Jugendzentren und Bildungsstätten),

- Schaffung von diversifizierten Qualifikation und Abschlüssen,

- Entwicklung spezieller Angebote für bestimmte Zielgruppen und Gelegenheiten, etwa

- Medienarbeit im ländlichen Raum,

- Lehrkräfte- und Erzieherausbildung,

- KIELER WOCHE TV,

- Mediatage Nord,

- Übertragungen der Sitzungen des Schleswig-Holsteinischen Landtags, von kommunalen Vertretungskörperschaften, Bürgermeisterwahlveranstaltungen, Wahlberichterstattung,

- Kooperationen mit einer Vielzahl von Gruppen und Organisationen,

- Erweiterung des Aus- und Fortbildungsangebots auf Multimedia,

- Diversifizierung des Aus- und Fortbildungsangebots, auch unter Standortgesichtspunkten, aber bei landesweiter Gesamtvermarktung ("ULR-Medienakademie"),

4.2 Haushaltsmittel

Der Haushaltsplan der ULR für das Jahr 2004 sieht neben dem Beauftragten für den Offenen Kanal (BOK) insgesamt 24 Planstellen vor. Diese Zahl ist über die Jahre nur geringfügig gestiegen. Hinzu gekommen sind lediglich die Mediengestalterazubistelle beim OK Kiel (2001) und die gleichartige Azubistelle beim OK Flensburg (2003).

Im Übrigen deckt der Offene Kanal Arbeitskräftemehrbedarf

- bei Sonderaktivitäten durch eine projektbezogene Einstellung von Kräften,

- ferner durch (unentgeltliche) Praktikanten unterschiedlichster Ausbildungsgänge,

- die Nutzer selbst, wobei in diesem Zusammenhang die Kooperationspartner eine besondere Rolle spielen.

Der Sachaufwand für den Offenen Kanal ist von Jahr zu Jahr – inflationsbereinigt- geringfügig gestiegen.

Insgesamt schlagen die vier Offenen Kanäle im Haushaltsjahr 2004 mit 2,019 T€ zu Buche (s. Pkt. 7).

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5 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten:

Die aktuelle duale Konzeption des Offenen Kanals in Schleswig-Holstein, nämlich die Kombination von "Sendeselbersender" und "Medienkompetenzförderungszentrum", hat sich bewährt.

Der Offene Kanal trägt an der Basis zum Funktionieren der Demokratie in der Mediengesellschaft bei.

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6 Weiterentwicklung

Bei der konzeptionellen Weiterentwicklung des Offenen Kanals ist die voraussichtliche weitere Entwicklung der audiovisuellen Medienlandschaft in den Blick zu nehmen. Alles spricht dafür, dass sich die Entwicklungstendenzen, die in den letzten Jahre festzustellen waren, mittelfristig im Wesentlichen fortsetzen. Dies dürfte generell zur Folge haben, dass der professionelle Rundfunk seine Funktion als Medium und Faktor der Meinungsbildung, die auf die informierte und sachkundigen Teilhabe des Einzelnen am demokratischen Willensbildungsprozessen fokussiert sein sollte, mehr und mehr verliert. Er verliert darüber hinaus sein Monopol als elektronischer audiovisueller Informations- und Unterhaltungsdienst. Im Einzelnen bedeutet dies u.a.:

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7 Entwicklungsrahmen

Die aufgezeigten Entwicklungstendenzen machen deutlich, dass der Offene Kanal mit der aktuellen dualen Konzeption auch für die Zukunft gut aufgestellt ist:

Die Räume, die die professionellen öffentlich-rechtlichen und privaten Akteure der audiovisuellen Medienlandschaft nicht besetzen oder aus denen sie sich zurückziehen, werden größer, und zwar trotz der Zunahme des Gesamtangebots an audiovisuellen Diensten. Diese Räume könnte der Offenen Kanal als "Sendeselbersender" verstärkt besetzen.

Der Bedarf solider, praxisnaher und rundfunkorientierter Medienkompetenzvermittlung, die zugleich multimedial angelegt ist, nimmt zu. Der Offene Kanal könnte einen größeren Beitrag zur Befriedigung dieses Bedarfs leisten.

Bei Untersuchung der Frage, wie dies geschehen kann, liegen drei mehr oder weniger variable Annahmen zugrunde:

Die Übertragungsmöglichkeiten im Kabel oder via Antenne bleiben dem Offenen Kanal erhalten.

Die verfügbaren personellen und sachlichen Mittel bleiben unter Berücksichtigung der anfallenden tariflichen Erhöhungen für das Personal und eine inflationsbedingte Erhöhung sonstiger Kosten mehr oder weniger auf dem aktuellen Stand. Nach der Mittelfristigen Finanzplanung der ULR steigen die Ausgaben von 2.019 T€ im Jahr 2004 auf 2.267 T€ im Jahr 2007. Zwar berücksichtigen sie die weitere Digitalisierung der Produktion, nicht aber Kostensteigerungen durch die Digitalisierung der Verbreitung.

Der Offene Kanal hat als "Sendeselbersender" auch in Zukunft keinen Zugang zu Finanzierungsquellen wie Werbung und Sponsoring, was er auch nicht anstreben sollte wegen den unvermeidlichen Auswirkungen auf das Programmgeschehen. Nichtkommerzialisierung und Werbefreiheit sollten vielmehr sein Alleinstellungsmerkmal bleiben. Eine andere Frage ist, ob und inwieweit der Offenen Kanal als "Medienkompetenzzentrum" Einnahmen generieren könnte und sollte, etwa bei Aktivitäten im Rahmen des staatlichen Bildungsauftrags.

Der Offene Kanal bleibt ein "Sendeselbersender" in dem Sinne, dass die Programmierung grundsätzlich nicht von der Leitung des Offenen Kanals vorgegeben wird. Dies entspricht der aktuellen Rechtslage:

- Der ULR ist jede Einflussnahme auf den Inhalt eines Sendebeitrags verboten. Der Offene Kanal darf die Nutzer nur technisch und journalistisch beraten. Der Beauftragte und die Leitung eines Offenen Kanals sind Berater und Instrukteure der Nutzer, ferner organisatorisch-technische Manager der Einrichtung, die insbesondere darauf achten, dass die Kapazitäten ausgelastet sind.

- Für die Reihenfolge der Verbreitung von Sendebeiträgen gilt grundsätzlich das Prinzip der "Schlange". Ein Abweichen davon ist gleichsam nur als Ausnahme von der Regel zulässig. Diesbezüglich sollte eine gesetzliche Umkehrung der Verhältnisse angestrebt werden.

- Der ULR ist es untersagt, eigene Beiträge, ein eigenes Rahmenprogramm und Werbung zu senden. Dabei sollte es bleiben.

Vor diesem Hintergrund sollte der Offenen Kanal den eingeschlagenen Weg fortsetzen, also die im Laufe der Jahre entwickelten Angebote an die Nutzer weiter vorhalten, fortschreiben und weiter entwickeln. Mit anderen Worten:

Der Offenen Kanal der ULR braucht keine grundsätzlich neue Konzeption.

Ein Schärfen des Profils und Nachjustieren bestehender Angebote von Fall zu Fall darf gleichwohl nicht vernachlässigt werden.

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8 Veränderungsbedarf

Unabhängig davon sollte sich der Offene Kanal wie in der Vergangenheit dem generellen Veränderungsbedarf gegenüber offen zeigen und darauf im Rahmen seiner Möglichkeiten reagieren. Auf u. a. Folgendes ist besonders zu achten bzw. ist anzustreben:

Fortsetzung der Digitalisierung der Produktion im Zuge des Geräteersatzes, und zwar auf dem technologischen Niveau des branchenüblichen Stands der Technik, dazu eine adäquate Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiterschaft. An einen vollständigen Analog-Digital-Umstieg in einer Programmart beim professionellen Rundfunk beteiligt sich der Offenen Kanal.

Permanente Überprüfung der inhaltlichen Schwerpunktsetzung bei den Aus- und Fortbildungsaktivitäten sowie permanente Anpassung der Aus- und Fortbildungsaktivitäten an den technischen Fortschritt.

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